Die Bedeutung von Homöopathika im Apothekenmarkt

16. September 2026 | Frank Weißenfeldt, Nadja Annerl
Eine Apothekerin steht in einer Apotheke und schaut auf den Bildschirm vor ihr
Apothekentargeting

Obwohl der Umsatzrückgang bei Homöopathika deutlich spürbar ist, bleibt die Produktgruppe von wirtschaftlicher Bedeutung. Apotheker können durch gezielte Beratung und alternative Vertriebskanäle Vertrauen schaffen und Perspektiven eröffnen.

Apotheken sind weiterhin der wichtigste Vertriebskanal für Homöopathika – ein Markt, der trotz stagnierender Wachstumszahlen (329 Mio. Euro Umsatz in 2025, gegenüber 465 Mio. Euro in 2017) unverändert relevant bleibt. Traditionelle homöopathische Arzneimittel, bei denen der Wirkstoff so stark verdünnt wird, dass er molekular nicht mehr nachweisbar ist, unterliegen der Apothekenpflicht. Darüber hinaus sind diese Arzneimittel beratungsintensiv, da Patienten neben dem Hinweis auf OTC-Präparate umfangreiche Erläuterungen und Aufklärungen erwarten.

 

An Homöopathika scheiden sich die Geister

Befürworter der Homöopathie betonen den ganzheitlichen Ansatz:

  • Simile-Prinzip: „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“
  • Individuelle Abstimmung: Das Arzneimittel wird patientenindividuell ausgewählt.
  • Weitere Vorteile: Gute Verträglichkeit und der Placebo-Effekt stärken das Vertrauen.

Im Gegensatz dazu steht die evidenzbasierte Forschung, die über den Placebo-Effekt hinaus keine zusätzliche Wirksamkeit bestätigt. Unabhängig von der wissenschaftlichen Debatte bleibt die wirtschaftliche Bedeutung im verschreibungsfreien Bereich hoch – Homöopathika machen etwa 3,1 % des Umsatzes in diesem Segment aus.

 

Derzeit kein Rückenwind im OTC-Markt

Die Umsätze alternativer Arzneimittel in Apotheken zeigen rückläufige Tendenzen:

  • Phytopharmaka: +3,0 % Wachstum 2023–2024, dann -2,6 % Rückgang
  • Homöopathika: -2,8 % 2023–2024, gefolgt von -5,2 %
  • Anthroposophische Arzneimittel: Zunächst leichtes Wachstum, danach -10,7 % in den Jahren 2024/2025

Diese Entwicklungen sind eng verbunden mit der aktuellen Kaufzurückhaltung. So sank der durchschnittliche Warenkorbinhalt in den Vor-Ort-Apotheken von 1,42 Artikeln im Jahr 2022 auf 1,37 Artikel Ende 2025.

 

Kaufzurückhaltung trifft beide Vertriebskanäle im Apothekenmarkt

Die Umsatzzahlen beider Vertriebskanäle – Vor-Ort-Apotheken und Versandhändler – zeigen, dass seit der Pandemie keine Rückkehr zum vorherigen Niveau erfolgt:

  • Rezeptfreie Homöopathika: 578,7 Mio. Euro im Jahr 2017, 496,2 Mio. Euro aktuell (MAT 05/2026)
  • Vertriebskanalanteile:
    • 35,8 % des Umsatzes erfolgen über den Arzneimittelversand
    • Vor-Ort-Apotheken verzeichnen aktuell einen Rückgang von -7,3 % (MAT 2026/05 vs. MAT 2025/05)
    • Versandhändler einen Rückgang von -1,4 % (MAT 2026/05 vs. MAT 2025/05)

Studien des BPI und Netzwerk Loge8 belegen zudem, dass Kunden – sei es in Apotheken oder bei Versandhändlern – aktuell seltener zusätzlich rezeptfreie Arzneimittel zu einem E-Rezept erwerben.

Abflauender Elan für Homöopathika im Apothekenmarkt

Mittelständische Spezialisten prägen den Markt

Der Herstellermarkt ist durch mittelständische Unternehmen und namhafte Spezialisten charakterisiert.

  • Umsatzspanne: Die zehn umsatzstärksten Hersteller erzielen zwischen 156,3 Mio. Euro und 8,9 Mio. Euro pro Jahr.
  • Marktführer: Im engeren Marktsegment für homöopathische Arzneimittel führt Heel, gefolgt von DHU und PharmaSGP. Danach folgen Pflüger, Hevert, Medice, Klosterfrau, Sanum-Kehlbeck, Weber & Weber und Pascoe.

 

Tabletten, Globuli und Mischungen dominieren

Der Abverkauf in Einheiten im Jahr 2025 zeigt folgende Struktur:

  • Tabletten: 11,7 Mio. Einheiten (40,6 %)
  • Globuli: 5,3 Mio. Einheiten (18,2 %)
  • Mischungen: 3,4 Mio. Einheiten (11,8 %)
  • Tropfen (ohne Tropfen zum Einnehmen): 2,9 Mio. Einheiten (10,1 %)
  • Cremes: 1,3 Mio. Einheiten (4,7 %)
  • Weitere Darreichungsformen: 4,2 Mio. Einheiten (14,6 %)

 

Die meisten Packungen werden bar abgegeben

Verkäufe in Vor-Ort-Apotheken erfolgen vorwiegend über den Buchungstyp „Barverkauf ohne Rezept bzw. ohne grünes Rezept“ (84,9 %). Die restlichen Anteile:

  • PKV-Rezepte: 10,5 %
  • Grünes Rezept: 2,9 %
  • GKV-Rezept: 1,8 %

Diese Verteilung zeigt, dass der direkte Barverkauf die finanzielle Bedeutung dominiert, während Rezepte vor allem als Instrumente zur Kundenbindung und für die erste Produkterfahrung dienen.

 

Auch bei Homöopathika: Beratung ist Trumpf

Globale Krisen und verunsichernde Marktbedingungen verstärken das Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen. Apotheken stehen hier als verlässliche Partner im Gesundheitswesen bereit.

  • Vertrauensfaktor: Patienten schätzen die fachkompetente Beratung durch das Apothekenpersonal.
  • Aktionstage: Veranstaltungen, z. B. zum Thema „Schulmedizin und alternative Heilmethoden schließen sich nicht aus“, fördern den Dialog und stärken die Kundenbindung.

Die Kombination aus evidenzbasierter Beratung und empathischer Aufklärung trägt dazu bei, unrealistische Erwartungen zu vermeiden und die Compliance der Patienten zu erhöhen. 

Patienten bewegen sich zunehmend eigenständig durch das Gesundheitssystem via Google, KI, Plattformen und Versandapotheken. Fehlen einfache Zugänge in der Regelversorgung, entwickeln sich Parallelstrukturen außerhalb der klassischen Versorgung. Alternative Arzneimittel und Homöopathika bieten so einen Ansatzpunkt für einen offenen Dialog. Eine neutrale, sachliche Beratung, die Selbstbestimmung respektiert und objektiv aufklärt, unterstreicht die Rolle der Apotheke als qualitativen Versorgungsstandort.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien unter dem Titel "Homöopathikum im Apothekenmarkt quo vadis? 230 Jahre Homöopathie: Wirtschaftliche Bedeutung für die Apotheke" in der Deutschen Apotheker Zeitung, Nr. 36/2026 (02.09.2026), S. 74-78) und wurde mit Unterstützung einer KI und einem anschließendem redaktionellen Kontrollprozess für dieses Magazin umgeschrieben.  

Referenzen:

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Homöopathische Arzneimittel: Definition. BfArM - Homöopathische Arzneimittel - Homöopathische Arzneimittel

Heinrich C. Alternativmedizin: Wie wirkt Homöopathie wirklich? Wirkt Homöopathie wirklich? - Helmholtz Home

Insight Health. OTC-Apothekenmarktentwicklung. Waldems-Esch, Stand: Mai 2026

Schüller T. Bereits 10 Prozent lösen E-Rezepte bei Versendern ein. Bereits 10 Prozent lösen E-Rezepte bei Versendern ein - Deutsche Apotheker Zeitung

Sempora OTC- und Apothekenmarktstudie 2025. Bad Homburg, März 2025, Seite 23

Stiftung Gesundheitswissen. Pflanzliche Arzneimittel: Nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Pflanzliche Arzneimittel - nicht ohne Nebenwirkungen

Weisenburger L. Hat Homöopathie eine Wirkung? Apotheken Umschau, 3. August 2021

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