Das sogenannte Randsortiment wird zum Wachstumsmotor in Apotheken. Longevity-nahe Produkte zeigen deutliche Umsatzimpulse – angetrieben vom Wunsch nach Gesundheit und Vitalität bis ins Alter.
Der Longevity-Trend stärkt aktuell den Umsatz im Nichtarzneimittelsortiment der Apotheken. Die Marktdaten von Insight Health zeigen, welche Kategorien profitieren und wie Apotheken gezielt vom Wachstum dieser Produkte profitieren können.
- Aktuelle Umsatzpotentiale liegen im Freiwahlsortiment der Apotheken vor allem bei Longevity-Produkten.
- Trinknahrung, Mineralstoff- und Darmgesundheitspräparate zeigen deutliche Wachstumsraten.
- Gezielte Sortimentswahl und Platzierungen können den Verkauf weiter fördern.
Markteinblick: Longevity-nahe Produkte im Nichtarzneimittelsortiment
In Vor-Ort-Apotheken entfallen im Jahr 2025 Umsätze von 3,2 Mrd. Euro auf apothekenpflichtige Arzneimittel und 2,6 Mrd. Euro auf Nichtarzneimittel sowie nicht apothekenpflichtige Arzneimittel (Basis: Arzneimittelpreis des pharmazeutischen Unternehmers – ApU). Das entspricht rund 44,8 % am gesamten verschreibungsfreien Sortiment.
Bei rund 16.600 öffentlichen Apotheken in Deutschland erzielte jede Apotheke im Durchschnitt fast 160.000 Euro pro Jahr mit dem Freiwahlsortiment – und die Bedeutung dieses sogenannten Randsortiments steigt seit Jahren an. Insbesondere vom Wunsch der Menschen, auch im Alter noch gesund und fit zu sein, gehen dabei starke Wachstumsimpulse aus. Longevity beeinflusst demnach die Nachfrage im Ergänzungssortiment der Apotheken unmittelbar.
Im Jahr 2025 erwirtschafteten die öffentlichen Apotheken vor Ort einen Umsatz von fast 2,5 Mrd. Euro mit Nichtarzneimitteln im Freiwahlsortiment. Lediglich 168 Mio. Euro Umsatz lagen bei den nicht apothekenpflichtigen Arzneimitteln, die im Gegensatz zu apothekenpflichtigen Produkten bekanntlich auch in der Freiwahl platziert werden dürfen.
Im Vergleich von 2025 zum Vorjahr zeigte sich: Anders als nicht apothekenpflichtige Arzneimittel (−2,7 %) ist das Sortiment der Nichtarzneimittel ein klarer Wachstumsbereich (+2,3 %).
Innerhalb der Top-10-Kategorien im Nichtarzneimittel-Bereich der Vor-Ort-Apotheken dominieren Produkte rund um Prävention, Ernährung, Wellness, Vitalität und Longevity.
- Die umsatzstärkste Kategorie sind Trinknahrung und andere Supplemente, die zum Beispiel die Energie- und Proteinzufuhr optimieren oder Nährstofflücken schließen und somit Muskel- und Regenerationsprozesse (auch im Alter) unterstützen. Diese Produktkategorie führte im Jahr 2025 die Liste der Top-10-Warengruppen im Nichtarzneimittelsegment an, nachdem der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr nochmal um 5,7 % auf 260,6 Mio. Euro angestiegen war.
- Eine weitere umsatzstarke Warengruppe im Nichtarzneimittelsegment sind andere Mineralstoffpräparate. Hier lag der Umsatzanstieg von 2024 auf 2025 sogar bei 14,2 %, sodass die Vor-Ort-Apotheken sich über einen Umsatz von insgesamt 187,8 Mio. Euro freuen konnten.
- Anti-Aging-Produkte für Frauen zeigten 2025 allerdings kein Wachstum (2025 vs. Vorjahr: −2,0 %). Der Umsatz lag bei 154,5 Mio. Euro. Auch der Umsatz mit medizinischen Körperpflegeprodukten sank leicht (2025 vs. Vorjahr: −0,6 %). Für diese Kategorie lag im Jahr 2025 der Umsatz insgesamt bei 133,8 Mio. Euro.
- Deutlich gestiegen ist hingegen der Umsatz mit Präparaten für die Darmgesundheit – ein weiteres Segment, das vom Longevity-Trend profitiert. Hier lag das Plus bei +7,4 % und der Umsatz bei 124,0 Mio. Euro.
- Ebenso positiv entwickelten sich die Warengruppen medizinische Gesichtspflege (+0,4 %, 99,6 Mio. Euro) und Sonnenschutzmittel (+5,8 %, 97,2 Mio. Euro).
Weitere Informationen zur allgemeinen Marktentwicklung sowie Umsatz und Absatz im pharmazeutischen Gesundheitsmarkt bieten unsere kostenfreien Marktreports.
Tipps & Tricks: Longevity-Produkte in der Freiwahl von Apotheken
Für eine erfolgreiche Platzierung von Longevity-Produkten gibt es ein paar hilfreiche Tipps & Tricks. Ausgehend vom Apothekentyp und der Fläche des Freiwahlbereichs gilt es folgende Eckpunkte für die Platzierung zu beachten:
- Relevante Warengruppen und Artikel
Die optimale Sortimentsgestaltung ist abhängig vom Standort der Apotheke. Was für eine Stadtapotheke gilt, muss für eine Landapotheke nicht stimmen. Eine genaue Analyse des Apothekenumfelds empfiehlt sich – inklusive Kundenpräferenzen für Trinknahrung, Vitamine oder Mineralstoffe.
Tipp: Das Umfeld analysieren, um Angebote gezielt auf Ihre Zielgruppen abzustimmen. - Aufmerksamkeit durch gezielte Platzierung
Die aktuelle POS-Performance-Studie von Insight Health zeigt: Fünf Facings in der Sichtwahl können den Abverkauf um bis zu 33 % steigern, 6–10 Facings sogar um bis zu 47 %. Mit 11–15 Facings liegt das Absatzwachstum bei bis zu 56 %. Was für apothekenpflichtige Produkte in der Sichtwahl richtig ist, gilt auch für das Longevity-nahe Sortiment und weitere Warengruppen in der Freiwahl: Damit ein Produkt werbetechnisch erfolgreich wirken kann, benötigt das Auge in der Breite eine ausreichend große Blickkontaktstrecke.
Tipp: Lassen Sie Teammitglieder oder Kund*innen den ersten Eindruck Ihrer Regalplatzierungen bewerten. - Freiwahl übersichtlich gestalten
Überfrachten Sie das Angebot nicht, sondern wählen Sie Produkte mit Bezug zu Longevity sorgfältig aus. Achten Sie auch darauf, dass Produkte in ausreichender Zahl vorhanden sind. Während der Pandemie haben sich Verbraucherinnen und Verbraucher teilweise an Lücken in den Regalen gewöhnt. Dies gilt aber nicht für den Premiumvertriebskanal Apotheke.
Tipp: Für optimale Sortimentspflege regelmäßig mit Team und Kundschaft sprechen.
Sie finden den vollständigen Originalartikel mit Quellenangaben im Magazin DAP Dialog – Ausgabe 92, April 2025.