Phytopharmakon quo vadis?

22. Oktober 2026 | Nadja Annerl, Frank Weißenfeldt
Eine Apothekerin und ein Apotheker stehen in einer Apotheke
Apotheke

Momentan zeigt der Markt für pflanzliche Arzneimittel kein Wachstum. Welche Handlungsoptionen gibt es für Apotheken?

Gegenwärtig kein Rückenwind für Phytopharmaka

Der Umsatz rezeptfreier Arzneimittel (OTC) liegt aktuell bei 10,6 Mrd. Euro. Apothekenpflichtige Präparate generieren den Löwenanteil mit 6,0 Mrd. Euro. Phytopharmaka trugen 2025 im verordnungsfreien Markt der Vor-Ort-Apotheken rund 1,2 Mrd. Euro zum Umsatz bei – ein Rückgang gegenüber 1,3 Mrd. Euro im Vorjahr. 

Pflanzliche Arzneimittel, laut Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) Arzneimittel auf Pflanzenbasis, sind in Deutschland traditionell verankert und umfassen zahlreiche Darreichungsformen: Tees, Tabletten, Kapseln, Tropfen, Salben und Presssäfte. Die enthaltenen Wirkstoffe entstehen aus der Gesamtheit der Pflanzeninhaltsstoffe. Moderne Pflanzenheilkunde vereint evidenzbasierte Prinzipien mit tradiertem Wissen.

Phytopharmaka werden schon seit dem Mittelalter eingesetzt. In Klostergärten und der Volksmedizin fanden Heilpflanzen über die Jahrhunderte Verwendung. Heute verbinden viele Patienten mit pflanzlichen Arzneimitteln den Wunsch nach natürlicher Therapie mit moderner Arzneimittelqualität. In der Regel apothekenpflichtig, benötigen Phytopharmaka häufig intensive Beratung – vor allem wegen variierendem Wirkstoffgehalt, Abgrenzung zu Nahrungsergänzungsmitteln und Kundenerwartungen an Aufklärung. Im Gegensatz zu Homöopathika sind sie jedoch weniger umstritten.

Die wirtschaftliche Bedeutung lässt sich klar belegen: 2025 lag der Umsatz mit Phytopharmaka ohne Rezept bei 1.217,6 Mio. Euro (Marktanteil: 11,5 % im OTC-Gesamtmarkt), zuzüglich 60,5 Mio. Euro im Rx-Bereich.

Marktanteile Abverkauf verschreibungsfreies Sortiment* in  Vor-Ort-Apotheken im Jahr 2025

Die Bedeutung von pflanzlichen Arzneimitteln im verschreibungsfreien Sortiment

Die derzeitige Konsumunlust trifft die Nachfrage

Die Umsatzentwicklung pflanzlicher Arzneimittel ist rückläufig. Nach Steigerungen von +1,8 % (2022/2023) und +3,0 % (2023/2024) sank der Umsatz 2025 um -2,7 %. Dahinter steht vor allem eine allgemeine Kaufzurückhaltung: Die durchschnittliche Anzahl gekaufter Artikel pro Warenkorb sank von 1,42 (2022) auf 1,37 (2025, Buchungstyp „Bar“).

Das Jahr 2026 bestätigt den Trend. Der Zwölfmonatsumsatz ging von 1.261,2 Mio. Euro (Juli 2025) auf 1.154,1 Mio. Euro (Juli 2026, MAT) zurück – ein Minus von -8,5 %. Eine aktuelle Studie von BPI und Netzwerk Loge8 belegt: Nur noch 19 % der befragten Kunden kaufen beim Einlösen eines E-Rezepts zusätzlich ein OTC-Produkt (2024 waren es 43 %).

Umsatzentwicklung* von Phytopharmaka im verschreibungsfreien  Sortiment** in Vor-Ort-Apotheken

Die Umsatzentwicklung von Phytopharmaka im Apothekenmarkt für rezeptfreie Produkte. Hinzu kommt ein Umsatz von 41,1 Mio. Euro im Jahr 2022, 44,7 Mio. Euro im Jahr 2023, 53,1 Mio. Euro im Jahr 2024 sowie 60,5 Mio. Euro im Jahr 2025 für das Marktsegment der verschreibungspflichtigen Arzneimittel in den Vor-Ort-Apotheken.

Für viele Apotheken trotzdem eine Warengruppe mit Zukunft

Trotz schwacher Nachfrage sehen viele Apotheken das Potenzial: Laut SEMPORA OTC- und Apothekenmarktstudie 2026 erwarten 53 % der befragten Apotheken ein wachsendes Interesse an Phytopharmaka, 40 % sehen eine gleichbleibende Bedeutung und nur 7 % rechnen mit sinkender Relevanz. Themen wie Nahrungsergänzungsmittel, Versandhändler-Eigenmarken oder Generika erhalten ähnlich positive Bewertungen.

Die hohe Bedeutung zeigt sich auch in Apothekenkonzepten wie der Phytothek von Bionorica, die Fachberatung und Arzneimittelqualität für Pflanzenpräparate bündelt. Namhafte Hersteller (u. a. Bionorica, aber auch Bayer, Dermapharm, Sanofi, STADA) engagieren sich zunehmend im Bereich pflanzlicher Arzneimittel. Phytopharmaka sind im OTC-Markt kein Nischensegment und setzen wichtige Impulse für die Branche.

Auch für pflanzliche Arzneimittel gilt: Beratung ist Trumpf

Das Interesse an natürlichen, nebenwirkungsarmen Arzneimitteln wächst ebenso wie das Grundvertrauen in alternative Therapien. Apotheken können dieses Potenzial gezielt nutzen: Die Beratungsqualität wirkt sich stark auf die Kundentreue aus. Besonders erklärungsbedürftige Präparate wie Phytopharmaka bieten Möglichkeiten zur Differenzierung, beispielsweise durch Aktionstage zum Thema „Phytopharmaka – wann sind pflanzliche Arzneimittel eine sinnvolle Alternative?“.

Patienten informieren sich zunehmend selbst über Google, Plattformen, Versandapotheken und Communities. Apotheken, die Patienten mit fachlicher und wertschätzender Beratung begleiten, stärken die eigene Rolle in der Versorgung. Eine neutrale, objektive Beratung – die aufklärt, aber keine falschen Erwartungen weckt – wird dem Anspruch als qualifizierter Teil der Versorgungslandschaft gerecht.

 

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien im DAP Dialog (Ausgabe 95, Oktober 2026) und wurde mit Unterstützung einer KI und einem anschließendem redaktionellen Kontrollprozess für dieses Magazin umgeschrieben.  

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